Orta San Giulio: Tagesausflug an den Lago d’Orta
Altstadt, Isola San Giulio und Sacro Monte: der stille Nachbar des Lago Maggiore
Orta San Giulio – der stille Nachbar des Lago Maggiore
Ein kleiner See mit eigenem Charakter
Wer von Cannobio Richtung Süden fährt, merkt hinter Omegna, wie sich die Landschaft verändert. Die Täler werden weiter, die Orte kleiner, und dann liegt der Lago d’Orta vor Ihnen. Er ist deutlich kleiner als der Lago Maggiore, ruhiger und fast ein wenig in sich gekehrt. Ziel des Ausflugs ist Orta San Giulio auf einer Halbinsel am Ostufer, direkt gegenüber der Isola San Giulio. Von uns aus sind es rund 55 Kilometer, gut eine Stunde Fahrt über Verbania, Gravellona Toce und Omegna.
Orta San Giulio auf einen Blick
- Lage: Ostufer des Lago d’Orta, Piemont
- Anfahrt ab Lakeview: rund 55 km, gut eine Stunde mit dem Auto über Verbania und Omegna
- Parken: Prarondo und Diania an der Via Panoramica, kostenpflichtig
- Highlights: Piazza Motta, Isola San Giulio mit Basilika, Sacro Monte (UNESCO-Welterbe)
- Markt: mittwochs auf der Piazza Motta
- Zeitbedarf: ein halber Tag für Ort und Insel, mit Sacro Monte ein ganzer Tag
- Geeignet für: Paare, Familien, Kulturinteressierte
Ankommen: Parken und der Weg in den Ort
Die Altstadt von Orta ist Fußgängerzone. Sie parken deshalb oberhalb des Ortes an der Via Panoramica. Der erste Parkplatz an der Strecke heißt Prarondo und hat rund 90 Plätze, auch für Wohnmobile. Etwas weiter liegt die Tiefgarage Diania mit rund 230 Plätzen, in die Wohnmobile nicht hineinpassen. Beide sind kostenpflichtig, zuletzt mit 2 Euro pro Stunde und höchstens 10 Euro pro Tag. In der Hochsaison wird es ab dem späten Vormittag eng.
Von den Parkplätzen gehen Sie in wenigen Minuten hinunter in den Ort. In der Saison fährt zusätzlich ein kleiner Bummelzug, Strecke und Zeiten wechseln aber; fragen Sie am besten im Infobüro nach. Der Bahnhof Orta-Miasino liegt rund zwei Kilometer oberhalb des Zentrums. Für Gäste aus Cannobio ist das Auto die einfachere Wahl.
Piazza Motta und der alte Ortskern
Das Herz des Ortes ist die Piazza Motta direkt am Wasser, gern auch der Salon am See genannt. Hier legen die Boote zur Insel ab, hier sitzen Sie in den Cafés unter den Arkaden. Am Platz steht der Palazzo della Comunità von 1582, das alte Rathaus. Unten öffnet sich eine Laube, in der früher Markt gehalten wurde, darüber liegt der Ratssaal. Markt ist in Orta bis heute: jeden Mittwoch auf der Piazza Motta, eine Tradition, die der Überlieferung nach bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.
Von der Piazza führt eine gepflasterte Gasse hinauf zur Pfarrkirche Santa Maria Assunta. Unterwegs lohnt der Blick in die Seitengassen und Innenhöfe. Am Ortsrand fällt die Villa Crespi mit ihrem Turm im maurischen Stil auf. Sie entstand ab 1879 für den Baumwollindustriellen Cristoforo Benigno Crespi und ist heute ein Hotel mit Sterneküche.
Die Isola San Giulio
Die Isola San Giulio liegt rund 400 Meter vor dem Ufer und ist nur etwa 275 Meter lang. Boote fahren von der Piazza Motta hinüber, die Überfahrt dauert fünf bis zehn Minuten. Neben den kleinen Motorbooten, die laufend pendeln, fährt von März bis Oktober auch die Navigazione Lago d’Orta, die zwölf Orte rund um den See verbindet.
Der Legende nach kam der heilige Julius um das Jahr 390 auf seinem ausgebreiteten Mantel über den See, vertrieb Schlangen und Drachen von der Insel und gründete hier seine hundertste Kirche. Die heutige Basilika San Giulio ist romanisch und stammt aus dem 12. Jahrhundert. Achten Sie auf die Kanzel aus dunkelgrünem Serpentin mit den Symbolen der Evangelisten, einem Kentauren und einem Greifen. In der Krypta ruhen die Reliquien des Heiligen.
Der Rundweg um die Insel heißt Via del Silenzio e della Meditazione. Kleine Tafeln mit Gedanken zur Stille begleiten Sie an den Mauern der Benediktinerinnenabtei Mater Ecclesiae entlang, in der seit 1973 Nonnen in Klausur leben. Bitte nehmen Sie Rücksicht, hier wird tatsächlich gebetet.
Sacro Monte di Orta
Oberhalb des Ortes liegt im Wald der Sacro Monte di Orta, seit 2003 UNESCO-Welterbe. Ab 1590 entstanden hier zwanzig Kapellen, die das Leben des heiligen Franz von Assisi erzählen. Rund 370 lebensgroße Terrakottafiguren und über 900 Fresken stellen die Szenen dar. Der Weg führt wie eine Spirale durch den Park, immer wieder mit Blick hinunter auf Orta und die Insel.
Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist im Sommer bis 18 Uhr, im Winter bis 16 Uhr, am Wochenende jeweils eine halbe Stunde länger. Von den Parkplätzen an der Via Panoramica sind es nur rund zehn Minuten zu Fuß, aus dem Ort steigen Sie etwas länger bergauf. Schon Friedrich Nietzsche verbrachte hier im Mai 1882 einige Stunden mit Lou Andreas-Salomé.
Was man am Lago d’Orta isst
Die Spezialität des Sees ist die Mortadella d’Orta, eine würzige Wurst mit Leber, die einige Monate reift. Sie kommt als Panino auf den Tisch, mit Polenta oder in der Paniscia, einem Risotto aus dem Piemont. In den Restaurants finden Sie piemontesische Küche mit Produkten aus den umliegenden Bergen.
Ideen für mehr Lago d’Orta
Wer noch Zeit hat, fährt zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso von 1748. Sie steht auf einem Felssporn über dem Westufer, rund 30 Minuten von Orta, und bietet den schönsten Blick über den ganzen See. Darunter liegt Pella mit seiner Uferpromenade, von dort fahren auch Boote hinüber nach Orta. Am Nordende des Sees lockt Omegna mit seinem Markt am Donnerstag und dem Museum Forum, das die Geschichte der Haushaltswaren-Industrie am See zeigt, von Alessi bis Lagostina.
Auch der Mottarone liegt nicht weit. Beides an einem Tag ausführlich zu erleben, würden wir aber nicht empfehlen.
Mit Kindern, zu zweit oder am Nachmittag
Für Familien ist Orta gut überschaubar. Die Bootsfahrt zur Insel ist für Kinder meist der Höhepunkt, und die Wege sind kurz. Mit dem Kinderwagen sind Kopfsteinpflaster und Stufen allerdings mühsam. Paare erleben Orta am schönsten am späten Nachmittag, wenn die Ausflugsgruppen weg sind und auf der Piazza Ruhe einkehrt. Im Juni lohnt ein Blick in den Kalender: Dann findet das Festival Cusiano di Musica Antica statt, mit Konzerten unter anderem auf der Insel.
So könnte Ihr Tag in Orta aussehen
Fahren Sie so los, dass Sie vor 10 Uhr am Parkplatz Prarondo sind. Von dort gehen Sie zuerst zum Sacro Monte, solange es im Wald noch kühl und ruhig ist. Danach steigen Sie durch die Gassen hinunter zur Piazza Motta und essen dort oder in einer der Seitenstraßen zu Mittag. Am frühen Nachmittag setzen Sie zur Isola San Giulio über und gehen einmal um die Insel. Zurück auf der Piazza bleibt Zeit für einen Kaffee oder einen Aperitivo, bevor Sie sich auf den Heimweg machen. Wer an einem Mittwoch kommt, erlebt die Piazza mit Markt, muss aber mit mehr Betrieb rechnen.
Wohnen können Sie bei uns im Mobile Home am Lago Maggiore, in einer Ferienwohnung mit Seeblick oder auf einem Stellplatz für Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt.
Insider-Tipps von Einheimischen
Damit Ihr Ausflug ganz besonders schön wird:
- Wir empfehlen, sich für Orta nicht zu viel vorzunehmen. Der Ort wirkt am schönsten, wenn Sie langsam durch die Gassen gehen und am Wasser sitzen bleiben.
- Die Überfahrt zur Isola San Giulio gehört für uns unbedingt dazu: Vom Wasser aus sehen Sie Orta noch einmal ganz anders.
- Wer Ruhe sucht, dem empfehlen wir den Sacro Monte. Dort sind Sie weg vom Trubel und haben einen schönen Blick auf den See.
- Mit kleinen Kindern empfehlen wir einen geländegängigen Kinderwagen oder eine Trage, denn in der Altstadt gibt es viel Kopfsteinpflaster und Stufen.
Fragen und Antworten
Rund 55 Kilometer, mit dem Auto je nach Verkehr gut eine Stunde.
Ja. Für Ort und Insel reicht ein halber Tag, mit Sacro Monte und Anfahrt planen Sie am besten einen ganzen Tag ein.
Die Piazza Motta, die Gassen der Altstadt, die Isola San Giulio mit der Basilika und den Sacro Monte.
Von der Piazza Motta fahren regelmäßig Boote zur Insel. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten.
Auf den Parkplätzen Prarondo und Diania an der Via Panoramica oberhalb des Ortes. Von dort gehen Sie wenige Minuten zu Fuß in die Altstadt.
Ja. Die Wege sind kurz, und die Bootsfahrt zur Insel gefällt den meisten Kindern. Mit dem Kinderwagen sind Stufen und Kopfsteinpflaster etwas mühsam.
Der Lago d’Orta ist kleiner und ruhiger. Orta San Giulio lebt von seiner historischen Altstadt und der Insel direkt vor dem Ufer.