Orrido di Sant'Anna: die Schlucht bei Cannobio
Grünes Wasser, eine alte Steinbrücke und ein Grotto über der Schlucht – der kühlste Ort im Cannobio-Sommer
Orrido di Sant'Anna (Cannobio/IT)
Wenn es im Hochsommer am Lago Maggiore richtig heiß wird, kennen viele Einheimische nur ein Ziel: das Orrido di Sant’Anna, die Schlucht von Sant’Anna. Nur rund drei Kilometer vom Ortskern von Cannobio entfernt hat der Fluss Cannobino eine bis zu 25 Meter tiefe Klamm in den Fels gegraben. Unten steht das Wasser smaragdgrün und klar, oben thronen eine kleine Barockkirche und eine uralte Steinbrücke. Dazu kommt ein Grotto, in dem Sie mit Blick auf die Schlucht ausgezeichnet essen. Für uns ist das Orrido einer der schönsten Orte rund um Cannobio, und es liegt praktisch vor unserer Haustür.
Orrido di Sant’Anna auf einen Blick
- Ort: Ortsteil Traffiume, am Eingang des Valle Cannobina, rund 3 km vom Ortskern von Cannobio
- Ab Lakeview: zu Fuß ca. 1 Stunde 15 Minuten, mit dem Rad ca. 15 Minuten, mit dem Auto ca. 5 Minuten
- Highlights: Schlucht bis 25 m tief, Ponte dell’Agostana, Kirche Sant’Anna, Badestellen
- Eintritt: keiner
- Essen: Grotto Sant’Anna mit Terrasse über der Schlucht, Montag Ruhetag (Stand 2026)
- Parken: im Sommer knapp, Ausweichmöglichkeit in Traffiume mit rund 10 Minuten Fußweg
- Zeitbedarf: 1 Stunde bis ein halber Tag
- Geeignet für: Familien, Wanderer, Fotografen, alle, denen es am See zu heiß ist
- Kombi-Tipp: Altstadt von Cannobio, Valle Cannobina, Ponte Ballerino
Eine Schlucht aus grünem Wasser
Über Jahrtausende hat sich der Cannobino durch den Gneis gearbeitet. Das Ergebnis sind glatt geschliffene Felswände, kleine Becken und tiefe Gumpen, in denen das Wasser je nach Licht grün, türkis oder fast schwarz schimmert. Am schönsten sehen Sie die Schlucht von der alten Brücke aus: Unter Ihnen zwängt sich der Fluss durch die Felsen, dahinter öffnet sich das Wasser zu einem kleinen See. Das Wasser ist so klar, dass hier sogar Taucher unterwegs sind.
Kirche Sant’Anna und die alte Brücke
Ihren Namen hat die Schlucht von der Kirche Sant’Anna, die direkt an der Felskante steht. Gebaut wurde sie im 17. Jahrhundert, in Auftrag gegeben von Familien aus der Gegend, die in Rom zu Geld gekommen waren. Innen fallen der Hochaltar mit gedrehten Säulen aus schwarzem Marmor und die Gemälde aus dem Leben der heiligen Anna auf. Den Chor bildet eine freskierte Kapelle der Madonna von Loreto, die vermutlich älter ist als die Kirche selbst.
Neben der Kirche spannt sich die Ponte dell’Agostana über die Schlucht, eine schmale Steinbrücke, die nur zu Fuß überquert wird. Viele nennen sie „römische Brücke“, die meisten Quellen halten sie für mittelalterlich. Etwas weiter führt die heutige Straßenbrücke über das Tal. Von der Terrasse vor der Kirche führt ein kurzer Pfad hinunter ans Wasser.
Abkühlung, wenn der See zu warm wird
Im Juli und August erreicht der Lago Maggiore Temperaturen, bei denen das Bad im See manche kaum noch erfrischt. Dann ist das Orrido genau der richtige Ort. Der Cannobino kommt aus den Bergen des Valle Cannobina und bleibt auch im Hochsommer deutlich kälter als der See. Schon der Weg hinunter ans Wasser ist im Schatten der Felsen und Bäume spürbar kühler.
Unterhalb der Schlucht bildet der Fluss einen kleinen See mit Kiesufer, an dem an heißen Tagen viele Familien und Einheimische baden. Das Wasser wird meist kaum wärmer als 10 bis 15 Grad, das erste Eintauchen ist deshalb ein echter Kälteschock. Danach fühlt sich jeder Hitzetag leichter an. Wer nicht schwimmen will, setzt sich mit den Füßen ins Wasser auf einen warmen Felsen. Wichtig: Die Felsen sind glatt und rutschig, das Wasser ist an manchen Stellen sehr tief, und nach Gewittern in den Bergen kann der Fluss schnell anschwellen. Springen Sie nicht von Felsen oder Brücken und lassen Sie Kinder nicht unbeaufsichtigt ins Wasser. Aktuelle Werte zum See finden Sie auf unserer Seite zur Wassertemperatur in Cannobio.
Grotto Sant’Anna: Essen über der Schlucht
Ein Grotto war ursprünglich ein Felsenkeller, in dem Wein und Käse kühl lagerten, und später eine einfache Gaststätte im Schatten. Der Grotto Sant’Anna steht in dieser Tradition und ist doch viel mehr: Seit 1988 wird hier gekocht, mit viel Liebe zur regionalen Küche. Die Panoramaterrasse liegt direkt über der Schlucht, Sie sitzen an Granittischen im Freien und hören unter sich den Fluss. An heißen Sommerabenden ist es hier oben angenehm frisch, während unten am See die Luft steht.
Die Küche ist italienisch und mediterran, mit frischen Zutaten aus der Region und einer modernen Note. Auf der Karte (Stand 2026) stehen zum Beispiel Tatar vom piemontesischen Fassona-Rind mit Sommertrüffel, Ravioli del Plin mit Butter aus dem Ossola-Tal und Salbei, Kartoffelgnocchi mit Saibling und Zitrone aus Cannero oder Felchen aus dem Lago Maggiore vom Grill. Dazu gibt es eine gute Auswahl italienischer Weine. Das ist keine schnelle Vesper nach dem Baden, sondern ein Essen, für das Sie sich Zeit nehmen sollten.
Geöffnet ist der Grotto laut eigener Website dienstags bis sonntags mittags von 12 bis 13.30 Uhr und abends von 19 bis 21.30 Uhr, montags ist Ruhetag (Stand 2026). Außerhalb der Hauptsaison fragen Sie am besten vorher telefonisch nach. Die Terrasse ist begrenzt, im Sommer reservieren Sie deshalb besser vorher unter +39 0323 70682. Unser Tipp: morgens baden, mittags im Grotto essen und dann im Schatten zurück an den See.
Mit Kindern an der Schlucht
Für Kinder ist das Orrido ein kleines Abenteuer: Steine ins Wasser werfen, kleine Fische beobachten, über die alte Brücke laufen und von oben in die grüne Tiefe schauen. Der Weg ans Wasser ist kurz, aber steinig, ein Kinderwagen kommt nicht hinunter. Mit kleinen Kindern bleiben Sie am besten im flachen Bereich am Kiesufer und behalten sie immer im Blick. Weitere Ideen finden Sie auf unserer Seite Lago Maggiore mit Kindern.
Anreise und Parken
Mit dem Auto sind Sie vom Lakeview in etwa 5 Minuten am Orrido: Folgen Sie in Cannobio der Straße Richtung Valle Cannobina und biegen Sie rechts in die Via Sant’Anna Richtung Traffiume ab. Wenn Sie geradeaus weiterfahren, kommen Sie ins Cannobinatal. Parken ist im Sommer oft nicht ganz einfach. Weichen Sie dann auf einen Parkplatz im Ortsteil Traffiume aus, von dort sind es rund 10 Minuten zu Fuß. Mit dem Fahrrad brauchen Sie ab Lakeview etwa 15 Minuten und sparen sich die Parkplatzsuche.
Zu Fuß sind Sie vom Lakeview rund 1 Stunde 15 Minuten unterwegs, und der Weg ist schon Teil des Ausflugs. Direkt bei uns beginnt hinter Haus Nr. 14 der alte Eselspfad, dem Sie bis nach Cannobio folgen. Dort gehen Sie auf dem Gehweg weiter bis zum Fluss Cannobino und dann rund 3 bis 4 Kilometer am Ufer entlang flussaufwärts bis zur Schlucht. Der Weg am Fluss ist leicht und teils schattig. Wer mehr laufen möchte, verbindet ihn ab Cannobio mit dem Rundweg über die Hängebrücke Ponte Ballerino, insgesamt rund 8 Kilometer und etwa 2 Stunden reine Gehzeit.
Gut zu wissen
Das Orrido ist zu jeder Jahreszeit schön. Im Frühling führt der Cannobino nach der Schneeschmelze viel Wasser, im Herbst leuchten die Kastanienwälder rund um die Schlucht. Baden ist aber vor allem etwas für die heißen Wochen im Sommer. Nach starken Regenfällen wird das Wasser trüb und reißend, dann bleiben Sie besser auf der Brücke und genießen den Blick von oben. Bitte nehmen Sie Ihren Müll wieder mit: Die kleinen Badestellen teilen sich Einheimische und Gäste, und alle freuen sich, wenn sie sauber bleiben.
Den Ausflug kombinieren
Das Orrido lässt sich gut mit anderen Zielen verbinden. Zurück in Cannobio bummeln Sie durch die Altstadt von Cannobio und über die Seepromenade, sonntags lohnt der Wochenmarkt. Wer tiefer ins Tal fahren möchte, entdeckt im Valle Cannobina alte Steindörfer, Wanderwege und weitere Badestellen am Fluss. Und wer lieber Wasserrutsche statt Bergbach mag, ist im Acqualand Cannobio am Lido richtig.
Unser Fazit
Das Orrido di Sant’Anna ist ein kleiner Ausflug mit großer Wirkung: kurze Anfahrt, kein Eintritt, kühles Wasser und ein Grotto, in dem man gern länger sitzen bleibt. Gerade im Hochsommer ist die Schlucht die beste Ergänzung zum Strandtag. Mehr Informationen bietet das offizielle Tourismusportal Il Lago Maggiore.
Wohnen können Sie bei uns im Mobile Home am Lago Maggiore, in einer Ferienwohnung in Cannobio oder auf einem Stellplatz am Lago Maggiore.
Insider-Tipps von Einheimischen
Damit Ihr Ausflug ganz besonders schön wird:
- Kommen Sie an heißen Tagen am Vormittag. Dann ist es an der Schlucht noch ruhig, und das Licht fällt schön ins Wasser.
- Nehmen Sie Badeschuhe mit. Die Steine am Ufer sind rutschig, und das Wasser ist kalt genug, um nicht lange zu überlegen.
- Reservieren Sie im Grotto Sant’Anna einen Tisch auf der Terrasse, vor allem am Wochenende.
- Gehen Sie einmal zu Fuß: über den Eselspfad hinter Haus Nr. 14 nach Cannobio und dann am Cannobino entlang. Die Hängebrücke Ponte Ballerino lässt sich gut mitnehmen.
Fragen und Antworten
Im Ortsteil Traffiume am Eingang des Valle Cannobina, rund drei Kilometer vom Ortskern von Cannobio am Lago Maggiore.
Nein. Schlucht, Brücke und Kirche sind frei zugänglich.
Viele Besucher baden an heißen Tagen unterhalb der Schlucht. Das Wasser ist kalt, die Felsen sind rutschig, und an manchen Stellen ist es sehr tief. Springen Sie nicht von Felsen oder Brücken.
Der Cannobino kommt aus den Bergen und wird auch im Hochsommer meist kaum wärmer als 10 bis 15 Grad, also deutlich kälter als der Lago Maggiore. Genau das macht ihn an heißen Tagen so erfrischend.
Ja. Der Grotto Sant'Anna liegt direkt über der Schlucht und hat eine Terrasse mit Blick auf das Orrido. Geöffnet dienstags bis sonntags mittags und abends, montags Ruhetag (Stand 2026).
Zu Fuß in rund 1 Stunde 15 Minuten über den Eselspfad nach Cannobio und dann etwa 3 bis 4 Kilometer am Fluss Cannobino entlang. Mit dem Rad sind es ca. 15 Minuten, mit dem Auto ca. 5 Minuten. Parkplätze sind im Sommer knapp.
Ja, mit Aufsicht. Kinder lieben das klare Wasser und die alte Brücke. Für Kinderwagen ist der Weg ans Wasser nicht geeignet.
Die Ponte dell'Agostana wird oft als römische Brücke bezeichnet, die meisten Quellen halten sie für mittelalterlich.