Carmine Superiore: das mittelalterliche Dorf über Cannobio
Nur zu Fuß erreichbar, mit Fresken aus dem Mittelalter und Blick über den See
Carmine Superiore – ein Dorf ohne Straße
Hoch über dem See
Sie müssen von uns aus nicht weit fahren, um das Gefühl zu haben, in einer anderen Zeit unterwegs zu sein. Rund drei Kilometer südlich von Cannobio liegt Carmine Superiore auf einem Felssporn hoch über dem See. Das kleine Dorf gehört zu Cannobio und ist bis heute nur zu Fuß erreichbar. Es gibt keine Straße und keine Autos, nur einen gepflasterten Weg, viele Stufen und alte Steinhäuser mit Blick über den Lago Maggiore.
Carmine Superiore auf einen Blick
- Lage: auf einem Felssporn über dem Westufer, rund 3 km südlich von Cannobio
- Anreise ab Lakeview: bis Carmine Inferiore wenige Minuten, dann etwa 15 Minuten Aufstieg zu Fuß
- Highlights: Kirche San Gottardo mit Fresken, mittelalterlicher Ortskern, Via delle Genti
- Wanderung Cannobio–Cannero: 7,5 km, ca. 350 Höhenmeter, 2½ Stunden, zurück per Schiff
- Zeitbedarf: 2 bis 4 Stunden, je nach Route
- Geeignet für: Wanderer, Familien mit größeren Kindern, Geschichtsinteressierte
- Eintritt: keiner, Spende für das Licht in der Kirche
Ein Dorf als Zuflucht
Carmine entstand um das Jahr 1000 als befestigter Weiler. Die Lage auf dem Felsen war kein Zufall: Von hier ließ sich der Weg nach Cannobio überwachen, und in unsicheren Zeiten fanden die Menschen aus der Umgebung hinter den Mauern Schutz. Rund um das Dorf legten die Bewohner Terrassen und Trockenmauern an, auf denen Kastanien, Wein und Gemüse wuchsen. Viele dieser Mauern sehen Sie noch heute, wenn Sie den Hang hinaufgehen.
Nach dem Ersten Weltkrieg zogen die Familien nach und nach ins Tal, wo es Arbeit und Straßen gab. Die letzten dauerhaften Bewohner verließen Carmine in den 1930er-Jahren. Heute sind viele Häuser liebevoll restauriert und werden als Ferien- und Wochenendhäuser genutzt. Bitte denken Sie daran, wenn Sie durch die Gassen gehen: Hinter den Mauern wohnen Menschen.
Der Aufstieg von Carmine Inferiore
Der Weg beginnt im Ortsteil Carmine Inferiore an der Uferstraße zwischen Cannobio und Cannero Riviera. Vor den wenigen Häusern gibt es einen kleinen Parkplatz. Der Einstieg liegt neben einem Haus und ist rot-weiß markiert. Zuerst geht es steil über Stufen hinauf, dann auf einem gepflasterten Weg und teils über blanken Fels. Nach etwa einer Viertelstunde stehen Sie im Dorf, auf rund 300 Metern Höhe und gut 100 Meter über dem See.
San Gottardo und seine Fresken
Mittelpunkt des Dorfes ist die Kirche San Gottardo. Sie wurde im 14. Jahrhundert gebaut und auf mehreren Ebenen an den Fels gesetzt. Ihr spätromanischer Glockenturm ist schon vom See aus zu erkennen. Innen und außen sind Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert erhalten. An der Außenwand sehen Sie Heilige, Bischöfe und die Anbetung der Heiligen Drei Könige.
Während der Pest von 1630 diente die Kirche als Zuflucht für Kranke. Danach wurden die Wände desinfiziert und mit Kalk überstrichen, die Fresken verschwanden für rund 300 Jahre. Erst bei der Restaurierung 1932 und 1933 kamen sie wieder zum Vorschein, eine weitere Restaurierung folgte um das Jahr 2000. Ist die Kirche geschlossen, schauen Sie durch ein Glasfenster hinein. Gegen eine kleine Spende geht im Inneren das Licht an.
Auf der Via delle Genti nach Cannero
Carmine liegt an der Via delle Genti, einem alten Verbindungsweg, der früher die Orte am oberen Lago Maggiore mit der Schweiz verband. Er führte von Intra über Locarno in die Magadino-Ebene und weiter in Richtung Gotthard. Heute ist die Strecke ein Wanderweg mit gelben Schildern und rot-weißen Markierungen.
Die Etappe von Cannobio nach Cannero Riviera ist rund 7,5 Kilometer lang und hat etwa 350 Höhenmeter. Die reine Gehzeit liegt bei zweieinhalb Stunden, mit Pausen sollten Sie einen halben Tag rechnen. Der Weg beginnt in der Altstadt von Cannobio, führt am Palazzo Pironi vorbei und steigt über Casali und Solivo durch Kastanienwald nach Molineggi, mit rund 500 Metern der höchste Punkt. Der Name erinnert an die alten Mühlen am Bach. Eine kleine Kirche, eine Steinbrücke und Skulpturen aus alten Landwirtschaftsgeräten stehen noch dort. Danach geht es am Bach mit kleinen Wasserfällen hinunter nach Carmine Inferiore und über die Stufen hinauf nach Carmine Superiore.
Hinter dem Dorf führen Waldwege an Ruinen vorbei, und Sie sehen hinunter auf die Castelli di Cannero im See. Über Cheggio erreichen Sie schließlich Cannero. Vorsicht bei der Querung der Staatsstraße bei Cheggio: Die Autos kommen schnell aus der Kurve. Nutzen Sie den Zebrastreifen etwas weiter rechts.
Cannero Riviera und zurück mit dem Schiff
Cannero Riviera trägt die Bandiera Arancione des Touring Club Italiano. Der Ort hat eine schöne Uferpromenade mit Cafés und einen alten, in den Fels gehauenen Hafen. Seit Jahrhunderten wachsen hier Zitrusfrüchte im Freien. Im Parco degli Agrumi stehen Zitronen- und Orangenbäume in Reihen, und jedes Jahr im März zeigt eine Ausstellung die Zitrusfrüchte des Ortes.
Zurück nach Cannobio fahren Sie mit dem Schiff der Navigazione Lago Maggiore. Je nach Verbindung dauert die Fahrt 20 bis 45 Minuten, manche Schiffe fahren über Luino. Die Fahrzeiten wechseln mit der Saison. Schauen Sie deshalb vorher in den Fahrplan. Wer lieber läuft, ist von Carmine in etwa 50 Minuten in Cannero und in rund 1 Stunde 20 Minuten zurück in Cannobio.
Mit Kindern und im Sommer
Familien mit größeren Kindern erleben hier einen Ausflug, bei dem Bewegung und Geschichte zusammenkommen. Für den Kinderwagen sind die Wege nicht geeignet, es gibt viele Stufen und steinige Abschnitte, an einigen Stellen geht es steil bergab. Ein großer Teil der Strecke verläuft im Kastanienwald, trotzdem starten Sie im Sommer am besten früh. Oben gibt es kaum Infrastruktur. Nehmen Sie deshalb Wasser und einen kleinen Snack mit. Gegen Mücken im Wald helfen lange Kleidung und Mückenschutz.
Eine Runde über Oggiogno und Viggiona
Wer in Cannero noch nicht genug hat, kann eine zweite Runde oberhalb des Ortes anhängen oder sie an einem anderen Tag gehen. Sie führt hinauf in die Bergdörfer Oggiogno, Cheglio und Viggiona. In Oggiogno steht noch eine alte Torkel, eine große Weinpresse aus der Zeit, als an diesen Hängen Wein angebaut wurde. Im Wald oberhalb von Viggiona sind Schützengräben der Linea Cadorna aus dem Ersten Weltkrieg zu sehen. Noch höher hinauf geht es zum Monte Carza mit seiner gelben Riesenbank.
Von Cannero zu den Castelli
Vom Hafen in Cannero Riviera fahren in der Saison auch die Boote zu den Castelli di Cannero, den beiden Burginseln, die Sie von Carmine aus von oben gesehen haben. Seit 2025 sind sie als Museum zugänglich. Wer früh startet, kann Wanderung und Inselbesuch an einem Tag verbinden. Reservieren Sie die Bootsfahrt im Sommer am besten vorher.
Carmine Superiore ist eine schöne Ergänzung zu den großen Ausflugszielen: keine lange Autofahrt, kein Eintritt, dafür ein Blick auf den See, den Sie von der Uferpromenade nicht kennen. Wohnen können Sie bei uns im Mobile Home am Lago Maggiore, in einer Ferienwohnung mit Seeblick oder auf einem Stellplatz für Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt.
Insider-Tipps von Einheimischen
Damit Ihr Ausflug ganz besonders schön wird:
- Wir empfehlen, Carmine Superiore mit einem Stück der Via delle Genti zu verbinden. Das Dorf ist klein, der Reiz liegt im alten Weg.
- Wir empfehlen feste Schuhe, denn die Wege sind steinig und haben viele Stufen.
- Im Sommer empfehlen wir, früh zu starten. Später am Tag wird es am Hang sehr warm.
- Wer bis Cannero Riviera wandert, fährt am schönsten mit dem Schiff zurück nach Cannobio.
Fragen und Antworten
Am Hang über dem Westufer des Lago Maggiore, rund drei Kilometer südlich von Cannobio. Das Dorf gehört zur Gemeinde Cannobio.
Nein. Carmine Superiore ist nur zu Fuß erreichbar, von Carmine Inferiore an der Uferstraße sind es etwa 15 Minuten.
Den mittelalterlichen Ortskern und die Kirche San Gottardo aus dem 14. Jahrhundert mit Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
Für das Dorf und einen kurzen Spaziergang reichen zwei Stunden. Mit der Wanderung bis Cannero sollten Sie einen halben Tag einplanen.
Für größere Kinder ja. Mit kleinen Kindern sollten Sie die vielen Stufen bedenken, für Kinderwagen ist der Weg nicht geeignet.
Ja. Carmine liegt an der Via delle Genti, die von Cannobio nach Cannero Riviera führt. Zurück geht es mit dem Schiff.
Für den kurzen Aufstieg reichen feste Schuhe. Wer weiter nach Cannero geht, trägt besser Wanderschuhe.