Man spürt den Moment sofort, in dem der Urlaub wirklich beginnt: nach den kühlen Kehren und dunklen Tunneln der Alpen bricht plötzlich das Licht des Südens durch die Windschutzscheibe. Das tiefe, glitzernde Blau des Wassers öffnet sich, die Luft wird weicher, und schon weit vor der Grenze in Valmara recken sich die ersten Palmen empor. Endlich angekommen. Doch der Weg dorthin kann, je nach Routenwahl, entweder eine entspannte Panoramafahrt oder eine nervenaufreibende Geduldsprobe sein. Wer mit dem Auto aus dem Norden anreist, muss sich vor allem einer Frage stellen: Gotthardtunnel oder San Bernardino?
Das Nadelöhr: A2 über den Gotthardtunnel
Die Route über die Schweizer Autobahn A2 und den Gotthardtunnel ist der direkte, klassische Weg für die meisten Reisenden aus dem Westen und Norden Deutschlands. Mit einer Länge von 16,9 Kilometern ist er der drittlängste Straßentunnel der Welt – und leider auch einer der staureichsten. Besonders zu den großen Reisewellen an Ostern, Auffahrt oder Pfingsten verwandelt sich die Zufahrt in eine scheinbar endlose Blechlawine. Zu Pfingsten staute sich der Verkehr vor dem Nordportal unlängst auf über 20 Kilometer Länge, was für die Reisenden eine zermürbende Wartezeit von mehr als drei Stunden bedeutete.
Wann fährt man am besten durch den Gotthard?
Wer die A2 wählt, sollte die Stoßzeiten am Wochenende unbedingt meiden. Um den berüchtigten Stau vor dem Gotthardtunnel zu vermeiden, empfiehlt sich dringend eine Fahrt unter der Woche. Doch selbst an Werktagen ist das Timing entscheidend: Wer wochentags bereits zwischen 5:00 und 6:00 Uhr morgens am Gotthardtunnel eintrifft, hat die besten Chancen, die Passage ohne nennenswerte Verzögerungen zu durchqueren.
Sollte die Anreise am Wochenende unvermeidbar sein, planen Sie klug vor. Nutzen Sie die Raststätten Gotthard-Nord (in Fahrtrichtung Süden) oder davorliegende Raststationen für einen letzten Tankstopp und eine Erleichterung, bevor das Stop-and-go beginnt. Sollten Sie im Sommer reisen und flexibel sein, ist eine Fahrt in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden oft die entspannteste Option.

Die landschaftliche Alternative: A13 via San Bernardino
Der San-Bernardino-Tunnel auf der Autobahn A13 ist weit mehr als nur ein Notnagel. Er ist die wichtigste Gotthard Tunnel Alternative auf dem Weg zum Lago Maggiore / Langensee. Gelegen im wunderschönen Kanton Graubünden, verbindet dieser Tunnel die Dörfer Hinterrhein und San Bernardino. Mit einer Länge von verhältnismäßig kurzen 6,6 Kilometern ist der 1967 eröffnete Tunnel – der damit dreizehn Jahre älter ist als sein Pendant am Gotthard – oft die flüssigere Wahl.
Diese Route ist besonders attraktiv für Urlauber, die aus Bayern, Baden-Württemberg oder der Ostschweiz anreisen. Die Durchfahrt durch den San-Bernardino-Tunnel ist mit der standardmäßigen Schweizer Mautplakette (Vignette) komplett abgegolten. Es fallen keine zusätzlichen Sondergebühren für die Passage an. Beim Gotthard ist das derzeit auch noch der Fall, soll sich aber perspektivisch wohl ändern.
Tipps
- Wenn Sie über den Gotthard Pass fahren möchten: verlassen Sie die Autobahn sehr frühzeitig. Der berüchtigte Stau ist nicht nur direkt vor dem Tunnel sondern über weitere Strecken verteilt (Ampel-Schaltungen)
- Versuchen Sie nicht schlau zu sein und an der letzten Einfahrt vor dem Tunnel wieder aufzufahren: die Einfahrten sind bei Stau über 2km immer automatisch gesperrt (und zur Strafe fährt man wieder einige Kilometer zurück).
- Prüfen Sie alternative Routen wie den Simplon.
- Vermeiden Sie Samstage & Sonntage in den Ferienzeiten in Deutschland und der Schweiz.
- Je früher desto besser oder je später desto besser: fahren Sie zu Randzeiten. Früh morgens oder spät abends.
- Überlegen Sie gut, ob Sie wirklich einen weiten Umweg in Kauf nehmen um die Strecke zu ändern. Wenn es am Gotthard sehr voll ist, staut es sich meistens auch am San Bernardino und vor allem: auch auf den Zufahrtsstrecken. Wer keinen Umweg für den San Bernardino fahren muss (vor allem Gäste aus Bayern und Bodenseeregion) sollte besser die Bernardinoroute fahren, für Gäste aus der Region Freiburg und nördlich davon lohnt sich der lange Umweg zum San Bernardino meist nicht.
- Und auch wenn Sie das jetzt nicht lesen möchten: planen Sie 2 Stunden mehr im Sommer einfach ein und bringen Sie Geduld mit. Auch wenn es ärgerlich ist – ab der Ausfahrt aus dem Tunnel sind Sie gefühlt in Italien!
Pässe statt Tunnel: Wenn der Weg das Ziel ist
Sollte sich auch am San-Bernardino-Tunnel einmal der Verkehr stauen, oder wenn Sie schlichtweg keine Lust auf Tunnelröhren haben, bietet sich die geschichtsträchtige San-Bernardino-Passstraße als spektakuläre Ausweichroute an. Die Passstraße erstreckt sich über eine Länge von 17 Kilometern und windet sich durch eine raue, fast mondartige Hochgebirgslandschaft. Der Pass wurde bereits zwischen 1818 und 1823 erbaut und ist in der Regel von etwa Ende Mai bis ungefähr Ende Oktober für den Verkehr geöffnet – die genauen Daten hängen stark von den aktuellen Schneeverhältnissen ab.
Auch am Gotthard gibt es diese Option: Der legendäre Gotthardpass ist eine überaus beliebte Ausweichroute zum Tunnel. Wenn Sie die Passstraße nehmen, können Sie auf der Passhöhe im geschichtsträchtigen Museum Sasso San Gottardo einen faszinierenden Zwischenstopp einlegen. Die einstige, streng geheime Festung beherbergt heute die Dauerausstellung „Mythos Gotthard“ und bietet eine der größten historischen Verteidigungsanlagen Europas mit tiefen Einblicken in kilometerlange Bunkeranlagen, Truppenunterkünfte und Kanonenstellungen im Fels sowie eine atemberaubende Panoramaplattform.

Der finale Wegabschnitt zu Ihrem Urlaubsdomizil
Egal, ob Sie sich für die A2 über den Gotthard oder die A13 über den San Bernardino entscheiden – im Tessin führen die Wege für Autofahrer wieder zusammen. Die konkrete Anreise nach Cannobio per Auto ist ab hier wunderbar unkompliziert:
- Verlassen Sie die jeweilige Autobahn an der Ausfahrt Bellinzona Süd.
- Folgen Sie konsequent der Beschilderung in Richtung Locarno.
- Fahren Sie weiter in Richtung Brissago / Cannobio / Italia.
- Sie erreichen die wunderschöne Küstenstraße SS34, die Sie direkt am Seeufer entlangführt.
- Nachdem Sie den Grenzübergang bei Valmara (Dogana) passiert haben, liegt das Resort Lakeview Cannobio nach etwa 800 Metern auf der rechten Seite, kurz vor dem eigentlichen Ortseingang von Cannobio.
Alternative Anreisemöglichkeiten ohne Auto
Auch wenn die Flexibilität des eigenen Autos für einen Camping- oder Glampingurlaub unschlagbar scheint, ist Cannobio keineswegs nur auf vier Rädern erreichbar. Die Region ist hervorragend an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Sie können bequem mit der Bahn bis nach Locarno (Schweiz) oder Verbania (Italien) reisen und von dort die regionalen Buslinien nutzen, die regelmäßig entlang der Küstenstraße verkehren. Wer von weiter her anreist, nutzt am besten den Flughafen Mailand-Malpensa, von wo aus Shuttle-Busse und Mietwagen-Stationen eine reibungslose Weiterreise in den Norden an den See ermöglichen.
Planen Sie Ihre Anfahrt clever, passen Sie Ihre Abfahrtszeit an die Verkehrsströme an und genießen Sie schon die Fahrt durch die majestätischen Alpen als den ersten, unbeschwerten Tag Ihres Urlaubs im Tessin und Piemont.
Fragen und Antworten
Für die meisten Reisenden aus West- und Norddeutschland ist die Route über die Schweizer Autobahn A2 und den Gotthardtunnel der direkteste und klassische Weg zum Lago Maggiore.




